[Markus Süpke]

"Ich steh' hier und singe" - Das Corona-Projekt des Landesjugendchores

Der Landesjugendchor Thüringen unter der Künstlerischen Leitung von Nikolaus Müller hat am Sonntag, 27. September 2020 ab 16:00 Uhr im Achteckhaus des Schlosses Sondershausen ein sehr erfolgreiches Livestream-Konzert gestaltet mit mehr als 525 im Gesamtverlauf verbleibenden Followers, mit Aufrufen auf den verschiedenen Links (Chorverband Thüringen, AMJ, Gottesdienst-Online EKMD sowie Facebook LJC) von mehr als 4.200.

Einmal hineinschauen - unser Trailer für das Konzert:
https://www.dropbox.com/s/xb8jgr9jozw9adt/LjC-%20Trailer%20ohne%20logos_2.mp4?dl=0

Der Livestream war bei Facebook und bei Youtube eingerichtet und ist weiterhin unter folgenden, verbleibenden Links zu sehen:
https://www.facebook.com/ljcthueringen/videos/963105847518531

https://youtu.be/vKplkx2vqds [Rondeau Production, Leipzig | Bleibender Link ab 20.10.2020]

https://youtu.be/xTd5jH_6W5Y [Chorverband Thüringen]

Anbei weitergehende Informationen zu dieses Livestream-Konzert:
- Ablaufplan des Konzertes samt Angabe der Zeiten
- Einführungstext zu der Projektidee und zu den inhaltlichen und
   gesellschaftlichen Aspekten
- Gesangstexte im Konzertablauf

„Vertraut den neuen Wegen"

Der Landesjugendchor Thüringen hat vom 25. – 30. August seine erste Arbeitsphase  „sub corona“ nach einer Unterbrechung von 6 Monaten in der Thüringer Landesmusikakademie  Sondershausen durchgeführt.

„Daß es auf unabsehbare Zeit wahrscheinlich keine Normalität, wie wir sie bisher  kannten, geben wird, ist sicherlich allen bewußt. Aber gerade darum glauben wir als Organisationsteam, daß wir jetzt beginnen sollten, Wege zu finden, die eine Perspektive eröffnen im Rahmen der Möglichkeiten, die sich unter den Vorgaben realisieren lassen. Das gemeinsame Singen ist für uns eine menschliche Kommunikationsform, die durch nichts zu ersetzen ist - und dafür gibt es in der Form tatsächlich keine digitale Alternative. Insofern finden wir es enorm wichtig, daß jetzt nach Möglichkeiten gesucht wird, das wieder miteinander tun zu können“, so das Einladungsschreiben an die Sänger*innen.

„Uns allen ist klar, daß man ein Risiko, das sich mit der Durchführung einer Probenphase ergibt, nicht abschließend wird einschätzen können. Es stehen im Wissenschaftlichen wie auch im Sozialen derzeit viele Ambivalenzen im Raum, mit denen umzugehen ist - und das in einer Gesellschaft, die immer schlechter mit Ambivalenzen umgehen kann. Jeder hat seinen eigenen Umgang mit der gegenwärtigen Situation - aber gerade deswegen finden wir  es sehr wichtig, gemeinsam Wege zu finden, wie in aller Unterschiedlichkeit des persönlichen Grenzempfindens wir in gegenseitiger Rücksichtnahme in diesen Tagen zusammen arbeiten und sein können. Es ist eine große Herausforderung für alle, diees in der konsequenten Einhaltung der aktuellen landesmäßigen Vorgaben zu tun - aber wir können uns kaum einen besseren Rahmen als den Landesjugendchor für solch einen Neustart vorstellen. Die geplante Probenphase ist ein Versuch, in dieser schwierigen Zeit einen Lebensbereich mit Leben zu füllen, der andernfalls komplett stumm und leblos bleiben würde. Und jeder und jede, der/die diesen Versuch jenseits des „Normalen“ mit unternehmen möchte, ist herzlich eingeladen, das mit uns zu tun.“


[Markus Süpke]

Die Thüringer Landesmusikakademie Sondershausen verfügt mit ihren 4 großen, hohen Probenräumen sowie mehreren kleinen Räumlichkeiten für Stimmbildung im ehemaligen Marstall über die wichtigen und zugleich notwendigen idealen Räumlichkeiten für solch ein Projekt, ergänzt um das zusätzlich angemietete Achteckhauses des Schlosses Sonders-hausen.

Die neuen Wege bestanden auch in einem anders gestalteten Probenmodus – ein Wechsel aus Tutti, verschiedensten Ensembles unter Begleitung von 3 Dozentinnen sowie Einzel-Stimmbildung für die 32 Sänger*innen. Auf die schon traditionelle, sehr erfolgreiche Chor.Werkstatt zum Abschluss der Arbeitsphase wurde aus Corona-Aspekten dieses Mal schweren Herzens verzichtet.

Die Bach-Motette „Komm, Jesu, komm“, Kurt Hessenbergs „O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens“ sowie Manfred Schlenkers Bonhoeffer-Motette waren Grundlage für den neuen Weg in der Tutti-Probenarbeit. Der heute 94-jährige Manfred Schlenker hat dem Landesjugendchor Thüringen und seinem Künstlerischen Leiter Nikolaus Müller eine kurze Motette extra für diese Probenarbeitsphase „sub corona“ komponiert: Eine Vertonung des Textes von Klaus Peter Hertzsch (1930-2000), dessen Liedtext „Vertraut den neuen Wegen“ in der Wendezeit 1989 einen ganz wichtigen Platz eingenommen hatte.

Der vierstimmige Liedsatz "Vertraut den neuen Wegen" als Ergänzung zur Motette erklingt hier als separate Aufnahme (Audio-Video):
HIER Link zum Liedsatz https://youtu.be/HFi_xVPBfTI

Einen Einblick in unsere erste Probenphase nach 6 Monaten gibt Ihnen der Bericht einer Choristin:
https://www.fdv-ljc.de/index.php/berichte/25-proben-sub-corona

Die Gedichtzeile „Vertraut den neuen Wegen“ ist das Motto der künftigen, sicherlich auch weiterhin eingeschränkten Probenarbeit bis in das Frühjahr 2021 und hat zugleich die LJC Sänger:innen zu diesem ersten Livestream-Konzert animiert.

Das bringt auch der Essay von Lucas Hofmann zum Ausdruck, der die beiden Arbeitsphasen unter Corona-Einschränkungen als Bass-Sänger miterlebt hat:
HIER Lucas Hofmann: "Weil Leben heisst: sich regen"

[Stand 25. September]